Mit Monday Morning Mindfulness entspannt mit Kollegen in die Woche starten

Im Gespräch mit Donja Sultan und Nicole Michel über eine Mitarbeiterinitiative für mehr Achtsamkeit im Arbeitsalltag

Foto Prasanth Inturi Pexels.com

Montagmorgen. 8:15 Uhr. Wir stehen zu dritt in einem Büroraum der Deutschen Bahn am Westbahnhof in Frankfurt. Ein leises, zaghaftes Klopfen an der Tür und es kommt noch eine weitere Kollegin dazu. Sie kommt gerade aus einer Telefonkonferenz. Ihr Montagmorgen hat schon hektisch angefangen, erzählt sie. Mit Blick auf den vollen Kalender des heutigen Tages sind wir uns alle einig: Lasst uns starten. Zum ersten Mal nehme ich an der Initiative Monday Morning Mindfulness für mehr Achtsamkeit im Arbeitsalltag teil. Beschwingt starten wir mit der ersten Übung zu Musik und heben unsere Arme. Danach machen wir einige Dehnübungen im Stehen und spüren in unseren Körper hinein. Die Übungen machen wir in Stille. Am Ende machen wir noch eine Stehmeditation. Ein bisschen ungewohnt ist es schon, denke ich mir, als ich während der Übungen abschweife und die Kollegen in ihren Positionen versunken betrachte. Ich muss schmunzeln und versuche mich wieder auf mich zu konzentrieren. Am Ende darf jeder sich noch eine Karte aus einem Achtsamkeitsset ziehen. Meine Karte sagt mir, dass ich raus aus der Komfortzone gehen soll, um neue Dinge auszuprobieren. Das passt. Die Gedanken, die mir morgens durch den Kopf schwirrten, was heute noch alles ansteht, sind verflogen. Die Woche kann beginnen.

Im Anschluss spreche ich mit Donja Sultan und Nicole Michel. Donja ist systemischer Coach und Achtsamkeitsexpertin. Sie hat die Initiative ins Leben gerufen. Nicole ist Trainer Relation Manager und schon seit längerem Achtsamkeitsbegeisterte und nimmt regelmäßig montags teil. Beide arbeiten im Weiterbildungsbereich der Deutschen Bahn.

Hier könnt ihr euch das Gespräch auch anhören. Am Ende des Interviews findet ihr eine Entspannung-Meditation zum Reinhören und Ausprobieren und viele weitere Tipps rund um das Thema Achtsamkeit im Alltag.

Interview Monday Morning Mindfulness mit Donja Sultan und Nicole Michel

Donja, du hast die Initiative ins Leben gerufen, was ist Monday Morning Mindfulness?

Ich bin schon seit vielen Jahren achtsamkeitsbegeistert und mache viel Yoga und viele Sachen Richtung Meditation. Ich habe für mich selbst die Erfahrung gemacht, dass es mir hilft, in meinem Alltag gelassener zu sein und mich in meinem Arbeitsalltag unterstützt. Das ist eine Erfahrung, die ich gerne weitergeben möchte und deswegen habe ich Monday Morning Mindfulness ins Leben gerufen. Wir treffen uns hier jeden Montag und starten mit ca. 45 Minuten Achtsamkeit in die Woche.

Wieviel Teilnehmer habt ihr?

Das wechselt, wir sind meistens 5 bis 6 Teilnehmer. Wenn das Wetter schön ist üben wir draußen. Ansonsten sind wir drinnen in unseren Räumlichkeiten.

Findet Monday Morning Mindfulness in eurer Arbeitszeit statt?

Es findet nicht in unserer Arbeitszeit statt. Es ist ein Angebot, das meinerseits für alle Mitarbeiter zur Verfügung steht.

Nicole, du nimmst seit einiger Zeit an den Treffen teil, wie ist es für dich? Hat sich seitdem etwas verändert?

Ich finde, es ist ein anderer und viel entspannterer Start in den Tag. Da wir montags üben kommt man erst einmal auf der Arbeit an, macht den Rechner an und ist dann erst einmal wieder in einem anderen Thema und beschäftigt sich mit sich selbst. Man ist fokussiert dadurch. Man startet tatsächlich anders und es gibt auch Wochen in denen sich das ein paar Tage hält und nicht nur einen Tag.

Das Thema Achtsamkeit ist derzeit in aller Munde und es wird viel darüber berichtet. Was bedeutet es für euch und wieso glaubt ihr, ist es wichtig?

Nicole: Für mich gibt es zwei Arten von Achtsamkeit. Die Übungen, die wir hier am Montag durchführen. Das finde ich ein formales Üben von Achtsamkeit und dann das Informelle im Alltag, wenn man es nebenbei macht. Dass man tatsächlich zwischendurch in sich hinein hört. Dass man im Moment ist. Das ist derzeit auch so ein Schlagwort. Dass man auch seine Umgebung wahrnimmt.

Donja: Dem kann ich mich anschließen. Ich denke, dass es wichtig ist, dieses formelle Üben zu haben und das zu trainieren, wie Sport. Das kann ich dann in den Situationen, die besonders herausfordernd sind, auch abrufen. Für mich hat es auch viel damit zu tun, in dem jetzigen Moment zu sein. Dinge anzunehmen, wie sie sind. Nicht in den Widerstand zu gehen und aus der Situation heraus handeln zu können. Da habe ich das Gefühl, dass es mich handlungsfähiger macht. Dass ich dann eben nicht versinke, „ich bin dagegen“ oder total im Stress bin, sondern ich kann mit den Dingen, wie sie sind und wie sie sich unter Umständen nicht ändern lassen, anders umgehen. Das ist, was mich am Thema Achtsamkeit begeistert.

Was habt ihr für Tipps, Strategien, um achtsamer im Alltag zu sein ohne, dass es ein weiterer Punkt auf der täglichen To-do Liste ist?

Nicole: Ich übe meine Atmung und nehme tiefe Atemzüge, wenn ich laufe. Sei es vom Büro zum Drucker oder morgens von der S-Bahn zum Büro. Dann atme ich bewusst, tief ein und aus. Oder wenn ich zum Beispiel am Gleis stehe und auf den Zug warte, dass ich nicht mein Handy raushole, sondern einfach einmal die Umgebung wahrnehme, die Leute beobachte, dort bin und nicht etwas Neues tue. Wenn ich zu Hause bin und auf jemanden warte, dann könnte ich natürlich noch ganz viele Dinge erledigen, die Wäsche machen oder etwas anderes. Und dann setze ich mich einfach hin ohne etwas Neues anzufangen. So bin ich hinterher nicht im Stress, weil ich mit dieser Aufgabe nicht fertig geworden bin. Ich genieße dann den Moment und schaue aus dem Fenster.

Donja: Ich finde es auch wichtig, dass im normalen Alltag einzubauen und nicht den Stress zu haben, jetzt muss ich noch eine Stunde Achtsamkeit machen und dann habe ich es erledigt. So ist es auch nicht zu sehen. Es geht darum, es in den Tätigkeiten, die man tut, anzuwenden. Das heißt, dass ich beispielsweise nur eine Aufgabe zu einer Zeit mache und dann schaue, dass ich diese von Anfang bis Ende mache. Natürlich klappt das nicht immer. Das ist auch nicht der Anspruch. Es geht einfach darum, dass ich mir vornehme, in dieser Zeit mache ich jetzt diese Aufgabe. Ich achte nicht auf Mails oder Telefonanrufe oder was mich noch ablenken könnte oder Multitasking sondern ich konzentriere mich auf eine Sache. Das kann zum Beispiel sein, wenn ich abends koche, dass ich mir bewusst Zeit nehme Gemüse zu schneiden und schaue dabei, wie ich es genau mache. Dass es nicht automatisch abläuft und ich am Ende nicht weiß, was ich gemacht habe, sondern mir eine Art Bewusstsein schaffe. Was auch eine schöne Sache ist, die ich manchmal mache: Ich habe mir eine App installiert, die manchmal gongt. Das ist dann ein Moment – atme und lächle steht dann da – dann halte ich kurz inne und schaue, wie geht es mir, wie ist mein Energiefluss. Was ich auch sehr gerne mache, ist das Thema Dankbarkeit. Das mache ich oft abends mit meinem Freund zusammen, dass wir uns erzählen, was war heute schön an dem Tag und so gut einschlafe und den Tag positiv ausklingen lasse.

Wenn ich Lust hätte montags regelmäßig teilzunehmen, wäre das möglich? An wen richtet sich das Angebot?

Das Angebot richtet sich an jeden der Lust hat. Wir treffen uns immer hier in den Räumen von DB Training und es ist jeder willkommen. Wir sind offen für neue Interessenten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Falls ihr Interesse an dem Thema habt oder einfach einmal dabei sein möchtet, könnt ihr Donja Sultan eine Nachricht schreiben an: Donja.Sultan@deutschebahn.com.

Einfach einmal abschalten? Hier geht’s zu einer Entspannungs-Meditation! Viel Spaß dabei!
Entspannungs-Meditation von Donja Sultan

Hier geht’s zu weiteren Tipps und Übungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Übung: Deine innere Kraftquelle wiederfinden

Stell dir vor, du sitzt in einem Park auf einer wunderschönen, grünen Wiese mit ganz vielen Gräsern und blühenden Blumen. Du kannst die verschiedenen Blumen riechen. Die Sonne kitzelt dich mit ihrer angenehmen Wärme im Gesicht. Von Weitem hörst du das Rauschen eines Baches. Du wirst neugierig und entscheidest dich aufzustehen. Du läufst zu dem Bach. Dort angekommen wird das Rauschen des Baches immer lauter und du schlenderst genüsslich an seinem Ufer entlang. Nach einiger Zeit kommst du an der Quelle des Baches an. Du setzt dich an ihren Rand, lauscht dem Wasser und fühlst dich ganz wohl dabei. Mit deinen Händen spielst du mit dem Wasser des Baches, tauchst sie ein und spürst die belebende Frische. Plötzlich entdeckst du die Öffnung der Quelle aus der das Wasser heraussprudelt. Du schaust dir diese ganz genau an und spürst das Sprudeln immer stärker in dir selbst. Du merkst, dass dies deine eigene innere Kraftquelle ist, die in dir sprudelt und nimmst diese dankbar an. Nun lässt du deinen Blick schweifen und nimmst die Steine, die Blumen und das Gebüsch am Rande der Quelle wahr. Du stehst auf und prägst dir das Bild der Quelle ganz genau ein. Du gehst den Weg zurück am Bach entlang über die Wiese. Du kommst wieder zurück in die Realität und öffnest deine Augen

Quelle der Imaginationsreise: Coaching als kreativer Prozess. Kurt F. Richter, 2012

Bevor du nun startest mit der Imagination, mache es dir bequem. Leg dir schon einmal Papier und Farben zurecht. Wenn du die Imagination zu deiner inneren Kraftquelle abgeschlossen hast, dann schaue noch einmal zurück, welches Symbol fällt dir zu deiner Kraftquelle ein? Male oder gestalte dieses Symbol.

Mit dieser Imaginationsreise startete mein Kreativ-Workshop „Wachsen und blühen“ im Park an einem sonnigen Sommerwochenende. Die Teilnehmer konnten Energie tanken und einfach einmal loslassen.

Dein Bild soll dich an deine sprudelnde Kraftquelle erinnern – in stressigen Situationen, wenn du dich ausgelaugt oder entmutigt fühlst. Der Austausch mit den Teilnehmern über ihre Bilder und Kraftquellen war sehr spannend. So individuell wie wir alle sind, so sind es auch unsere Kraftquellen. Diese sind oft inspiriert in persönlichen Momenten, Erinnerungen oder Orten – ein Rückzugsort am Strand, der jährliche Familienurlaub oder eine schöne Kindheitserinnerung, sind es die uns Kraft geben und ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Falls du Lust hast, an einem meiner Workshops teilzunehmen oder deinen eigenen inneren Kraftort zu erforschen, spreche mich gerne an.